Wer Omnichannel-Geschäft will, muss Online- und stationäre Welt miteinander verbinden. Christopher Henke vom Zahlungsdienstleister Mollie erklärt in seinem Gastbeitrag, wie dieser Unified Commerce für Zahlungsprozesse aussehen kann.
Der deutsche Einzelhandel steht an einem Wendepunkt. Während bereits 66 Prozent der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher regelmäßig zwischen Online- und Offline-Shopping wechseln und 93 Prozent den Onlinehandel als feste Größe in ihrem Einkaufsverhalten etabliert haben, sind nur 50 Prozent der Händlerinnen und Händler echte Omnichannel-Anbieter.
Diese Diskrepanz zwischen Kundenerwartung und Anbieterleistung offenbart eine drängende Herausforderung. Jeder zweite deutsche Verbraucher wünscht sich einfache und einheitliche Einkaufsprozesse, egal ob im Laden, im Netz oder verknüpft.
Besonders problematisch: Zahlungssysteme arbeiten oft in Silos. Online-Shops nutzen andere Payment-Provider als die POS-Systeme im stationären Handel, was zu unterschiedlichen Transaktionsgebühren, getrennten Reportings und inkonsistenten Kundendaten führt. Diese Fragmentierung kostet Händler nicht nur Zeit und Geld, sondern verhindert auch ein ganzheitliches Kundenverständnis.
Wenn Online- und Offline-Zahlungsdaten in verschiedenen Systemen liegen, ist es nahezu unmöglich, personalisierte Angebote zu erstellen oder den Customer-Lifetime-Value präzise zu berechnen. Während Mobile-Payment-Lösungen, also die Bezahlung mittels Mobiltelefon, in nur drei Jahren von zwei auf sechs Prozent der Transaktionen stiegen, bleiben die Systeme dahinter getrennt.
Wie moderne Terminals Online und Offline integrieren
Die Lösung liegt in modernen Zahlungsterminals, die als zentrale Schnittstelle zwischen der digitalen und physischen Handelswelt fungieren. Sie verknüpfen den Online-Handel mit der stationären Welt, ohne dass die jeweiligen Systeme ersetzt oder umgebaut werden müssen. Stattdessen ergänzen diese API-basierten Terminals die bestehende Online-Payment-Infrastruktur um eine nahtlos integrierbare Offline-Komponente.
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Kassenterminals liegt in der einheitlichen technischen Infrastruktur: Händler können ihre Online- und Offline-Zahlungen über ein und dasselbe Dashboard abwickeln. Dies bedeutet einheitliche Transaktionsgebühren, ein zentrales Reporting und eine gemeinsame Datenbasis für alle Zahlungsvorgänge, unabhängig vom Kanal. Aus dieser Integration ergeben sich bidirektionale Szenarien, die besonders für E-Commerce-Händler interessant sind:
Vom stationären zum Online-Kauf: Ein Kunde oder eine Kundin kauft im physischen Geschäft, erhält dabei aber Zugang zum jeweiligen Online-Kundenkonto mit vollständiger Kaufhistorie, Wunschlisten und personalisierten Empfehlungen. Treuepunkte, Rabatte und Mitgliedschaften werden automatisch synchronisiert. Händler können direkt am Terminal zeigen, welche Artikel online verfügbar sind, diese zur späteren Online-Bestellung vormerken oder eine sofortige Online-Nachbestellung auslösen.
Vom Online- zum stationären Kauf: Online-Kunden können ihre digitalen Warenkörbe im Geschäft abrufen und vor Ort bezahlen – alle Online-Rabatte, Gutscheine und Zahlungsoptionen bleiben erhalten. Click-&-Collect-Services werden nahtlos abgewickelt und Retourenabwicklungen funktionieren kanalübergreifend.
Der Schritt zur echten Kanalintegration
Hier setzt das Konzept des Unified Commerce an und geht einen entscheidenden Schritt über traditionelle Omnichannel-Ansätze hinaus. Das Ergebnis ist eine echte Kanalintegration statt einer bloßen Kanalpräsenz.
Händler, die Unified Commerce erfolgreich implementieren, verzeichnen laut aktueller Studien 27 Prozent niedrigere Fulfillment-Kosten und 18 Prozent weniger Warenkorbabbrüche. Gleichzeitig steigt die Kundenzufriedenheit, da Konsumentinnen und Konsumenten nahtlos zwischen Kanälen wechseln können, ohne Brüche in der User-Experience zu erleben.
Dennoch zeigt die Realität, dass der deutsche Handel bei der Umsetzung von Unified Commerce hinterherhinkt. In einer europäischen Vergleichsstudie landete Deutschland gemeinsam mit Finnland auf dem letzten Platz. Das ist ein alarmierendes Signal für einen der größten Retailmärkte Europas.
Fazit: Die Zukunft des Handels ist unified
Die Fragmentierung der Zahlungslandschaft wird für deutsche Händler immer mehr zum Wettbewerbsnachteil. Während Kunden längst kanalübergreifend denken und handeln, hinken viele Unternehmen bei der technischen Implementierung hinterher. Moderne, API-basierte Zahlungsterminals bieten einen pragmatischen Lösungsansatz: Sie revolutionieren nicht das gesamte System, sondern schaffen intelligente Brücken zwischen bestehenden Online- und Offline-Welten.
Der Erfolg hängt letztlich davon ab, wie gut Händlerinnen und Händler ihre verschiedenen Touchpoints orchestrieren können. Mit einer einheitlichen Payment-Plattform als Fundament wird eine echte Kanalintegration nicht nur möglich, sondern auch profitabel – und das ohne einen kompletten Systemumbau.







